Fantastische Stereo-Effekte

Die Cappella Nuova singt mit einer Klangdichte, Fülle und Weichheit, die unter normalen Akustikumständen nicht zu haben ist. Bezirkskantor Daniel Tepper nutzt die Gelegenheit für ein weiteres Bonbon und teilt den Chor zur achtstimmigen Messe zwischendurch auf, schickt eine Hälfte auf die Empore, was dem Publikum fantastische Stereo-Effekte beschert.
Dabei durchzieht auch Gjeilos Messe eine vibrierende Grundspannung. Er arbeitet mit clusterartigen Klangflächen, die oberflächlich große, wohlgefällige Ruhe ausstrahlen, die aber ein dynamisches Innen- und Binnenleben führen, die diese kitschige Statik fast unablässig aufbrechen.

[13.03.2018; SZBZ, B.H.]

Vor Nuancen sprühende Kunstwerke

Die technischen Passagen mit ihren Kolorierungen in den konzertanten Chorsätzen der Eingangssätze – gegeben wurden die Teile I, III und VI –kommen zwar nicht an die gestochene Schärfe kleinstbesetzter Barock-Spezialchöre heran, dennoch vermittelt die Cappella Nuova hier meist gute, ordentlich artikulierte Leichtigkeit bei ziemlich zügigen Tempi, die erheblich zu einem sehr schwingenden Bach beitragen.

Die auffälligste Besonderheit dieses Konzerts ist letztlich die Choralbehandlung: Im vollsten Gegenteil zur andernorts vorkommenden Praxis, diese Teile nicht nur als schlicht-dilettantischen Gemeindegesang zu interpretieren, sondern sogar vom Publikum mitsingen zu lassen, formt der Chor hier ganz individuelle, vor Nuancen sprühende Kunstwerke, die detailliert Auskunft über den semantischen Gehalt der verwendeten Texte geben. Wahrscheinlich auch deshalb zerfasern und zerbröseln die Choräle nicht, sondern stehen als organische Ganzheiten da.

[13.12.2017; SZBZ, B.H.]

Musikalischer Meilenstein in Sindelfingen

Dem Chor sind die Herausforderungen kaum anzumerken. Auch wenn die Intonation für Wimpernschläge mal kurz kribbelt, die Cappella Nuova und der Kinder- und Jugendchor präsentieren sich als Penderecki-Beherrscher, entfalten im Tutti große Wucht und leise Demut in den luziden Episoden.

[02.10.2017; SZBZ, B.H.]

Hohes gesangs- technisches Niveau

Trotz Aufführungslänge von knapp 80 Minuten, die Cappella Nuova zeigt sich bis zum Ende hoch konzentriert, aber nicht verkrampft. 
Im Gegenteil, das Ensemble klingt inspiriert, was auch daran liegen mag, dass für ein Barockwerk der Chor sehr groß besetzt ist. 
So wird immer wieder auch ordentlich Wucht erzeugt. Gleichwohl lässt Daniel Tepper den Chor große Kontraste ausreizen, verlangt und bekommt auch Pianissimo geliefert. 
Obwohl der Frauenüberhang augenscheinlich deutlich ist, die Männerstimmen sind immer wieder sehr präsent.
In vielen, oft endlos kolorierten Episoden bezeugt der Chor hohen technischen Standard.

[21.03.2017; SZBZ, B.H.]

Strahlend und wuchtig

Strahlend und wuchtig startete das Konzert mit dem Auftakt von Rutters „Te Deum“, das Stiftshoforchester firmiert kaum zufällig auf dem Programmzettel mit Zusatz „sinfonisches“: Das Ensemble wurde um einen großen Blechbläsersatz erweitert. Die Cappella Nuova zeigt im Sonntagskonzert sofort, dass sie bei diesem sinfonischen Instrumentalpanorama auf Augenhöhe singt.

Nicht zuletzt die Cappella-Männer überraschen. Vergleichbar massive Präsenz haben sie in der Vergangenheit längst nicht immer offenbart. 
Und gleich bei Rutter fällt die musikalische Beweglichkeit auf: viele kleine melodische Bögen und bruchlose Übergänge vom Strammen zur Zurückhaltung.

[13.12.2016; SZBZ, B.H.]